Entmystifizierung von Führungskräftecoaching / Executive Coaching

Führungskräftecoaching / Executive Coaching – was steckt wirklich hinter diesen Begriffen?

Executive Coaching – damit ist Coaching für Führungskräfte gemeint. Und das ist ein sehr aufgeladener Begriff. Wer sich mit den Suchanfragen im Internet befasst, sieht: Viele Leute suchen nach der Bedeutung bzw. dem Hintergrund von Executive Coaching. Und warum suchen sie danach? Weil es offensichtlich vielen nicht klar ist. Dieser Text soll das Thema Executive Coaching entmystifizieren. Er soll neue Gedanken entstehen lassen, z. B. über die Führungskultur in uns Menschen. Das heißt, wie wir mit uns selbst umgehen. Als Manager. Als Freiberufler. Als Angestellte.

Was ist Executive Coaching?

Auf jeden Fall ist Executice Coaching (engl. für Führungskräftecoaching) teuer. Für Executive Coaching werden hohe Honorare aufgerufen. Exzellent ausgebildete Berater verdienen das natürlich. Es stellt sich jedoch eine grundsätzliche Frage, die sich auch nach unten in den Unternehmenshierarchien orientiert.

Benötigen Führungskräfte ein besseres, teureres Coaching als Angestellte?

Der Begriff „Executive Coaching“ erzeugt eine Differenzierung (Unterscheidung) zwischen Führungskräftecoaching und „normalem“ Coaching. Beratungen für Angestellte und mittleres Mangement würden nach der Definition von Executive Coaching weniger beinhalten, als ein CEO in einer Sitzung zu erwarten hat.

Coaching Erster Klasse und Coaching Zweiter Klasse also?

Ist das angemessen? Ist es richtig, Menschen hinsichtlich ihrer Befähigungen zur Alltags- und Jobgestaltung in Klassen einzuteilen? Ich meine: nein. Und ich begründe das hier.

Entmystifizierung von Executive Coaching

Unter Executive Coaching stellen sich viele etwas Elitäres vor. Hoch oben in den Vorstandsetagen der DAX-Unternehmen, der Banken und Versicherungen treffen sich in geheimer Mission CEOs und Executive Coaches, um bei exquisiten Besprechungskeksen exklusives Wissen auszutauschen.

Ja, das ist etwas plakativ ausgeführt. Mit Absicht. Denn eines ist sicher: Executive Coaching muss sich an denselben Maßstäben messen lassen wie ein solides Mitarbeitercoaching. Zu dem kommen wir jetzt. Jedes einfache Coaching sollte ein Executive Coaching sein. Und jedes Führungskräfte-Coaching sollte einfach sein.

Jedes Coaching sollte ein Executive Coaching sein. Warum? Das steht hier:

Wer hat eigentlich entschieden, dass Sie diesen Text über Executive Coaching lesen? Na, ich, werden Sie denken. Das ist auf den ersten Blick richtig. Bei näherem Hinsehen aber war da eine Instanz in Ihnen am Werk, die Ihre Aufmerksamkeit diesem Text zugewiesen hat. Und nicht einer Zeitschrift oder einem Blick aus dem Fenster.

Betrachten wir Menschen unabhängig von ihrer beruflichen Position und ihrem gesellschaftlichen Rang. Jeder Mensch lebt und erlebt sein Leben anders. Und doch gibt es in jedem Menschen eine innere Instanz, die Ansagen macht. Wir können uns diese innere Instanz wie einen Manager vorstellen, der Aufgaben verteilt: Sei höflich, sei pünktlich, vermeide dies, strebe nach jenem usw. – lies diesen Internettext und den anderen nicht.

Unsere Entscheidungen treffen in uns wechselnde Führungskräfte. Sehen Sie selbst:

Die viel zu kurz gegriffene Lehre Sigmund Freuds der drei Ebenen eines Ich, Es und Über-Ich ist längst widerlegt – nicht erst durch die Hirnforschung. Freud erfand damals die drei Hierarchien; sein Modell machte weltweit Karriere, obwohl es ein Ansatz ist, der den Menschen auf drei triviale Stufen reduziert.

Tatsächlich haben wir in uns ständig wechselnde Führungskräfte.

Liegt beim Lesen dieses Textes die Mittagspause vor Ihnen oder hinter Ihnen?

Wenn die Pause schon hinter Ihnen liegt: was hatten Sie heute? Wer in Ihnen hat bei der Essensausgabe entschieden, was auf den Teller kommt? War es die innere Seite, die Ihre Anlagestrategie plant oder aus Kostengründen den Stromanbieter wechseln würde? Vermutlich nicht. Es dürfte eine Seite von Ihnen gewesen sein, die auf der archaischen Ebene arbeitet, beraten oder besser gesteuert vom Geruchssinn (olfaktorische Signale) und dem Sehsinn (visuelle Reize). Eine Seite, die im Zweifelsfall alle Ideen von gesunder Ernährung über Bord werfen würde, wenn es ums Überleben ginge. Und das ist gut so.

Liegt Ihre Mittagspause heute noch vor Ihnen – oder kommt bald das Abendessen?

Dann machen Sie einen inneren Führungskräfte-Test. Zuerst prüfen Sie, wonach Ihnen – nur vom Geschmack her – der Sinn steht. Und dann betrachten Sie das Essensangebot neu. Mit den Augen Ihres inneren Anlageberaters oder eines anderen Persönlichkeitsanteils, der für Vernunftfragen, Gesundheit und Figur verantwortlich ist. Das Ergebnis könnte interessant sein.

Es gibt viele Entscheidungssituationen, in denen nicht immer die ideale innere Seite die Führung übernimmt. Beim Shopping ist eine andere Seite am Zug als im Mitarbeitergespräch. Bei einer Auseinandersetzung über das nächste Urlaubsziel zu Hause bestimmt wieder eine andere innere Seite den Dialog mit als bei der Beratung für den besten Studiengang der eigenen Kinder. Die US-amerikanische Psychologin Virginia Satir hat einen bemerkenswerten Beitrag zum Verständnis von den inneren Anteilen geleistet.

Zusammenfassend können wir feststellen: Immer dann, wenn wir (im nachhinein) unverständliche Entscheidungen treffen, in Konflikte geraten oder anderweitig unangenehme Erfahrungen machen, verdient unsere innere Führung zusätzliche Aufmerksamkeit. Offensichtlich nimmt sich da jemand einfach das Rederecht und die Prokura. Entscheidet über unseren Kopf hinweg aus dem Bauch heraus. Und zwei Tage später kommt der Paketdienst. Oder zwei Wochen später der Schreck auf der Waage.

Was ist die Lösung?

Die Lösung in einem inneren Widerstreit von Führungskräften ist die Ernennung eines inneren CEO. Das ist nicht gleichzusetzen mit einem Über-Ich, das die übernommenen Wertevorstellungen unserer Herkunftsfamilien repräsentiert und heftig verteidigt.

Gemeint ist damit, dass wir uns mit der Vorstellung vertraut machen, dass in uns eine Instanz existiert oder am Entstehen ist, die das Management der Anliegen und Aktivitäten der vielen unterschiedlichen inneren Anteile übernimmt.

Liest sich kompliziert? Ist an sich einfach, wenn Sie es einmal verstanden haben.

Steigende Verantwortung für jeden Mitarbeiter – überall Führungskräfte?

Sehen wir uns die Job Descriptions der heutigen Zeit näher an, so ist überall von Verantwortung die Rede. Verantwortung wird in vielen Organisationen nach unten deligiert. Bis keiner mehr so recht weiß, wer für ein Projekt, eine Entscheidung die Hauptverantwortung trägt – mit anderen Worten: den Kopf hinhält.

Vermeintlich mehr Freiheiten haben einen hohen Preis

Wenn immer mehr Mitarbeiter und Teams zum separaten Profit Center erklärt werden, steigt der Beratungsbedarf. Wer das Prinzip der Verantwortungsübergabe auf granularer Ebene bis zu dem Mitarbeiter durchdenkt, der im Organigramm des Unternehmens auf der Einstiegsebene steht, versteht es: Arbeit und Verantwortung werden immer mehr auf einer horizontalen Ebene verteilt. Grenzen verschwimmen. Viele Mitarbeiter sind sich selbst überlassen und kommen nicht daran vorbei, sich selbst führen zu lehren.

Hier steht, warum jedes Coaching ein Executive Coaching sein sollte

Spätestens an dieser Stelle sehen Sie, dass der Mythos vom Vorstandscoaching schnell entzaubert ist. Im wesentlichen benötigen alle Menschen ähnliche Sicherheiten bei der Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben:

  • fachliche Kompetenzen
  • emotionale Kompetenzen
  • Dialogmöglichkeiten
  • Monitoring
  • Fehlerfreundlichkeit
  • Korrekturmöglichkeiten
  • Loyalität

Wenn diese Optionen gegeben sind, stehen die Zeichen gut für eine professionelle Führung. Die Rede ist hier nicht nur von der Führung eines Unternehmens.

In einem Coaching, das gutes (auch sehr viel) Geld wert ist, entsteht beim Coachee ein hohes Maß an Souveränität im Umgang mit seinen inneren Seiten, seinen Zielvorstellungen, Werten und den Herausforderungen, die aus seiner Umgebung kommen. Jeder Mensch benötogt das für ein gelingendes Leben. Der CEO im Unternehmen. Der Abteilungsleiter. Der Einkäufer. Der Privatmann, zu dem alle werden, sobald sie zu Hause die Türe aufsperren und ihre Schuhe abstreifen.

Deshalb muss jedes Coaching, das als hochwirksam und zieldienlich erlebt wird und langfristig wirken soll, ein Führungskräftecoaching sein.

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